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Winzer kennenlernen: Udo und Hacer von Gelveri Manifaktur

Autorenbild: Murat Örnek
Murat Örnek
19. Juni
4 Min. Lesezeit

Im historischen Güzelyurt südlich von Kappadokien wird ein gemeinsames Mittagessen zum Einstieg in eine der faszinierendsten Weingeschichten Anatoliens. Autochthone Rebsorten, Wein aus traditionellen Küps und die Leidenschaft für den Erhalt lokaler Traditionen machen diesen Ort zu einem besonderen Erlebnis.




An einem Tag, an dem wir mit unseren Gästen Kate und Douglas aus Massachusetts die Feenkamintäler Kappadokiens hinter uns ließen und Richtung Ihlara aufbrachen, wanderten wir im Schatten der Bäume entlang des Melendiz-Flusses und entdeckten unterwegs zahlreiche Felsenkirchen.


Von dort führte uns unsere Route weiter nach Güzelyurt, das früher Gelveri oder Kalvari hieß. Bis 1924 war Güzelyurt eine bedeutende Siedlung mit überwiegend griechisch-orthodoxer Bevölkerung.


Bevor wir unser eigentliches Ziel erreichten, besuchten wir noch die Hohe Kirche (Analipsis) und die St.-Georgs-Kirche.


Dann kam endlich der Moment, auf den wir uns schon gefreut hatten.


Kate und Douglas für diese Aktivität zu begeistern, war nicht besonders schwierig. Beide interessieren sich ohnehin für Wein und haben in ihrer Heimat bereits zahlreiche Weinberge und Weingüter in Oregon und Kalifornien sowie in Frankreich besucht.


Mein Vorschlag an sie war deshalb ganz einfach: Möchtet ihr einen Wein aus einer autochthonen anatolischen Rebsorte probieren, von der ihr wahrscheinlich noch nie gehört habt, und der in einem traditionellen Küp ausgebaut wurde? Ein Küp ist ein großes Gefäß aus gebranntem Ton, vergleichbar mit einer Amphore.




Einen solchen Ort gibt es in der Türkei nur einmal: Gelveri Manifaktur. Der Besitzer Udo Hirsch empfängt uns am Eingang des Taş Mahal, in dem sich sowohl sein Weingut als auch sein Zuhause befinden. Ich erkläre unseren Gästen, dass Udo mit klassischem Tourismus oder Reisegruppen eigentlich nicht besonders viel anfangen kann. Gemeinsam mit seiner Partnerin Hacer empfängt er jedoch gerne Gäste an ihrem langen Tisch. Serviert wird das Mittagessen, das sie auch selbst im Alltag essen würden, begleitet von einer Verkostung ihrer Weine.

Udo arbeitete viele Jahre für den WWF und andere internationale Organisationen. Er reiste durch die Welt und entwickelte Projekte zum Schutz von Wildtieren. Auf diesem Weg kam er 1969 erstmals in die Türkei.


Er ist ein echter Intellektueller, der sich mit großer Leidenschaft und Hingabe in seine Projekte vertieft. Nach seiner Ankunft in der Türkei begann er sich intensiv mit anatolischen Kelims zu beschäftigen. Heute gilt er als anerkannter Experte und hat wichtige Beiträge auf diesem Gebiet geleistet.


Ich erinnere mich noch gut an meine Überraschung, als er mir erklärte, welche Verbindungen er zwischen Motiven auf antiken anatolischen Siedlungshügeln und den Mustern traditioneller Kelims sieht. Während seiner Arbeit an Projekten in Armenien und Georgien kam Udo schließlich nach Güzelyurt. Bei seinen regelmäßigen Aufenthalten begann er, das Taş Mahal eigenhändig zu restaurieren. „Nach sechs Jahren und 52 LKW-Ladungen Aushub war es endlich geschafft. Und inzwischen lebe ich seit 14 Jahren hier“, erzählt er. Obwohl Udo aus der Moselregion stammt, einer der bedeutendsten Weinregionen Deutschlands, und selbst leidenschaftlich gerne Wein trinkt, hat er nie eine formale Ausbildung im Weinbau absolviert.


Während seiner Zeit in Armenien und Georgien lernte er jedoch die natürliche Weinherstellung in Küps kennen und beschloss, diese Methode auch in Güzelyurt anzuwenden. „Es gibt nur wenige Orte, die dafür so ideal sind. Wir liegen auf 1.400 Metern Höhe, auf mineralreichen vulkanischen Böden und in einer Landschaft mit außergewöhnlicher Biodiversität.“


 



Udo produziert gerade einmal 6.000 Flaschen pro Jahr, ausschließlich sortenreine Weine aus sieben lokalen Rebsorten.


„Das reicht!“, sagt er.


Rund 70 Prozent seiner Weine werden exportiert. Eine treue internationale Kundschaft, darunter kleine spezialisierte Weinbars und Restaurants mit Michelin-Sternen, wartet jedes Jahr auf den neuen Jahrgang.


Seine Reben sind zwischen 100 und 120 Jahre alt. Darunter finden sich Sorten wie Keten Gömlek, Hasan Dede und İt Üzümü.


Als Douglas fragt, ob diese Namen eine besondere Bedeutung haben, lacht Udo.

„Das sind alles Namen, die ihnen die Menschen aus den Dörfern gegeben haben. Obwohl wir die Ersten waren, die daraus Wein gemacht haben, wollten wir die ursprünglichen Namen nicht verändern. İt Üzümü, also ‚Hundetraube‘, reift zum Beispiel so spät, dass zu dieser Zeit niemand mehr in die Weinberge kommt. Außer den Hunden, die die Trauben fressen.“


Anatolien besitzt einen außergewöhnlichen Schatz an autochthonen Rebsorten. Schätzungen zufolge gibt es rund 1.400 für die Weinproduktion geeignete Sorten; Udo geht sogar von bis zu 1.600 aus.


Er ist der einzige lizenzierte Produzent in der Türkei, der Wein ohne chemische Eingriffe ausschließlich mit wilden Hefen in Küps herstellt. Auch weltweit gebe es, so Udo, nur wenige Produzenten, die auf diese Weise arbeiten.


Sein Weinkeller mit den Reihen alter Küps ist tatsächlich außergewöhnlich.

Ich erzähle Kate und Douglas von einer Erinnerung an das Dionysos-Festival. Dort hatte ich einmal drei Weine aus derselben Rebsorte und demselben Jahrgang probiert, die jedoch aus drei unterschiedlichen Küps stammten. Jeder einzelne hatte einen anderen Geschmack, eine andere Farbe und ein anderes Aroma.


Nachdem wir die Küps kennengelernt haben, gehen wir hinauf in den Innenhof des Taş Mahal. Hacer hat hausgemachte eingelegte Oliven, eigenen Käse und Brot vorbereitet, die wir zu den Weinen probieren, während Udo uns ihre Geschichten erzählt.


Alles schmeckt wunderbar und zeigt, mit wie viel Sorgfalt Udo und Hacer arbeiten.

Als alle vom Käse begeistert sind, erzählt Udo, dass sie davon gerade einmal 200 Kilogramm pro Jahr herstellen. Verwendet wird ausschließlich die Milch von Ziegen, die Ende August in den Bergen weiden.


„Der Zeitpunkt ist entscheidend. Ende August sind die Tiere besonders gut genährt und die Milch hat ihre höchste Qualität. Sonst würde der Käse nicht so schmecken.“



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