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Assos & V’asbos: Ein Vorgeschmack auf die nächste große Weinregion der nördlichen Ägäis

Autorenbild: Murat Örnek
Murat Örnek
5. Juli
3 Min. Lesezeit

Manche Orte besucht man einmal und hakt sie von der Liste ab. Andere ziehen einen Jahr für Jahr zurück, ohne dass man genau erklären könnte, warum. Assos gehört für mich zur zweiten Kategorie. Diese kleine Ecke an der nördlichen Ägäis gibt mir immer wieder einen Grund zurückzukehren. Und diesmal trägt einer dieser Gründe einen Namen: V’asbos.




Zu dieser Jahreszeit legt sich über die türkische Südküste eine ganz besondere Junihitze. Und genau deshalb fahre ich diesmal Richtung Norden nach Assos. Die nördliche Ägäis hat diese besondere Art, einem das Gefühl zu geben, gerade etwas entdeckt zu haben: ein Meer, dessen Blau beinahe unwirklich wirkt, Wälder in unzähligen Grüntönen und eine kühle Brise, die eigentlich nie ganz aufhört.


Da die Schulen noch nicht in den Ferien sind, bleiben auch die großen Besucherströme aus. Die Region fühlt sich wunderbar ruhig und entspannt an.


Assos liegt etwa eine Stunde und fünfzehn Minuten von Çanakkale, der nächstgelegenen größeren Stadt, und rund vier Stunden von Istanbul entfernt. Diese Entfernung hat durchaus ihre Vorteile. Sie ist einer der Gründe, warum Assos bislang vom Massentourismus verschont geblieben ist.


Wenn Sie mich fragen, warum man Assos besuchen sollte oder wie man es am besten in eine Reise integriert, ist meine Antwort ziemlich eindeutig: Für mich gehört Assos unbedingt zu unseren Roadtrips zwischen Istanbul und İzmir. Auf dieser Route verbinden wir einige der bedeutendsten antiken Orte der Westtürkei, darunter Troja, Pergamon und Ephesos.

Mit seinem antiken Hafen, dem hoch über der Landschaft gelegenen Athena-Tempel und den Straßen, durch die einst Aristoteles gegangen sein soll, ist Assos einer dieser Orte, deren Wert sich nur schwer in Worte fassen lässt. 




Abendessen im V’asbos

Bei dieser Reise wollte ich vor allem meine Freunde Marat und Hande besuchen. Beide arbeiten im Tourismus und haben diese Region zu ihrer Heimat gemacht. Eines Abends nehmen sie mich mit ins V’asbos. Es einfach nur als Restaurant zu bezeichnen, würde dem Ort allerdings nicht gerecht. Dahinter steckt ein kleines, ambitioniertes Projekt, das ein eigenes Weinlabel mit einem außergewöhnlich gestalteten Restaurant verbindet. Die Architektur ist überraschend avantgardistisch und fügt sich dennoch ganz selbstverständlich in die Landschaft und Topografie der Umgebung ein.



Als ich ankomme, ist es bereits Zeit fürs Abendessen. Für den ausführlichen Einblick in das Weingut, den ich mir eigentlich erhofft hatte, bleibt diesmal leider keine Zeit. Schon deshalb weiß ich, dass ich wiederkommen muss.


Doch selbst nach diesem kurzen Eindruck wird deutlich, welche Idee hinter V’asbos steckt. Das Team sieht interessante Parallelen zwischen diesem Teil der nördlichen Ägäis und dem französischen Rhônetal, insbesondere im Hinblick auf das Terroir. Bei den Rotweinen konzentrieren sie sich auf Grenache und Syrah. Und was ich probiere, überzeugt mich.

Wie ich beim Abendessen erfahre, ist außerdem ein Weißwein in Planung. 


Wir sitzen im Garten des Restaurants, während ein kühler Juniabend langsam in den Sonnenuntergang übergeht. Vor uns erstreckt sich ein grünes Meer aus Olivenhainen und Wäldern. Dahinter erhebt sich der Hügel mit der antiken Stadt Assos, dann folgt das Blau der Ägäis und ganz am Horizont liegt die Insel Lesbos.


Ich ertappe mich dabei, wie ich einfach nur dasitze und minutenlang in die Landschaft schaue. Wahrscheinlich das, was einer Meditation bei mir in letzter Zeit am nächsten gekommen ist.

Die frische Luft macht offenbar hungrig. Also arbeiten wir uns durch die kleine, sorgfältig zusammengestellte Karte von Küchenchef Mehmet Ali Börtücene, einem Freund aus meiner Heimatstadt Antalya.


Am Ende probieren wir fast alles, und eigentlich überzeugt mich jedes Gericht. Zwei Favoriten bleiben besonders hängen: eine Pilzpizza mit wirklich gutem Teig und lokalem Käse sowie gegrillter Wolfsbarsch mit Chimichurri und Romesco. Letzterer trifft besonders meine lateinamerikanische Geschmacksseite.


V’asbos ist mehr als gutes Essen mit schöner Aussicht. Es ist einer dieser Orte, die einen ganz unauffällig dazu bringen, die eigene Reiseroute noch einmal zu überdenken. Geben wir dem Weingut noch ein paar Jahrgänge. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Menschen irgendwann nicht mehr nur wegen der antiken Ruinen nach Assos kommen, sondern auch wegen V’asbos.



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