Santorini: Über dem Vulkan zur Ruhe kommen

Santorini gehört zu den meistbesuchten Inseln des Mittelmeers. Doch ihr eigentlicher Reiz liegt jenseits der Menschenmengen: in der spektakulären Caldera, den Wanderwegen entlang der Klippen, den vulkanischen Weinen und den stillen Momenten mit Blick auf das Meer.

Santorini ist die Diva unter den griechischen Inseln. Es ist erstaunlich, wie sich die Insel in den vergangenen 30 Jahren zu einem der beliebtesten Reiseziele für ganz unterschiedliche Reisende entwickelt hat, unabhängig von Reisestil, Budget oder Interessen. Mit dieser Entwicklung kam allerdings auch der Overtourism, vor allem durch die vielen Kreuzfahrtschiffe.
Da ich selbst auf Reisen nach Authentizität suche und überfüllte Orte eher meide, werde ich oft gefragt, ob sich Santorini überhaupt noch lohnt. Ich zögere dann immer einen Moment … und sage schließlich: Ja.
Warum? Wegen der Caldera.
Die Caldera ist im Grunde das, was Santorini zu Santorini macht. Vor Tausenden von Jahren ließ einer der größten Vulkanausbrüche der Geschichte das Zentrum der Insel einbrechen. Zurück blieb ein riesiger Krater, der sich mit Meerwasser füllte. Was wir heute sehen, ist der Rand dieses Kraters: dramatische Klippen, die aus dem Meer aufsteigen und auf denen Orte wie Fira und Oia thronen. Gerade diese Verbindung aus ursprünglicher Geologie und menschlicher Besiedlung schafft eine Landschaft, die beinahe unwirklich erscheint.

Und egal, wie oft man auf einem Balkon sitzt und mit einem Kaffee oder einem Glas Wein auf die Caldera blickt, dieser Moment des Staunens kommt immer wieder.
Für mich macht die Caldera mit ihren Ausblicken etwa 70 Prozent des Santorini-Erlebnisses aus. Deshalb empfehle ich immer ein Hotel mit Balkon und Blick auf die Caldera. Ja, das hat seinen Preis. Aber je länger man bleibt, desto besser versteht man, warum es sich lohnt. Es ist nicht einfach nur eine Unterkunft. Der Ausblick wird zu einem Erlebnis, das einen durch den ganzen Tag begleitet.
Eine andere Möglichkeit, die Caldera wirklich zu erleben, ist, sie zu Fuß zu entdecken.
Die Wanderung von Fira nach Oia entlang der Caldera gehört zu meinen liebsten Erlebnissen auf der Insel. Rund zehn Kilometer führt der Weg am Rand der Klippen entlang, während sich der Blick über das vulkanische Becken ständig verändert. Man kommt durch Imerovigli und anschließend durch ruhigere Abschnitte, in denen die Dimension dieser Landschaft erst richtig spürbar wird.
Die Wanderung ist nicht besonders schwierig. Sonne und fehlender Schatten machen den richtigen Zeitpunkt allerdings entscheidend. Am besten startet man früh am Morgen oder am späten Nachmittag.
Dann kann sich Santorini beinahe meditativ anfühlen, weit entfernt von den Menschenmengen, die man sonst mit der Insel verbindet.
Und dann ist da noch der Wein.
Die vulkanischen Böden Santorinis verleihen den Weinen der Insel eine unverwechselbare Mineralität und einen ganz eigenen Charakter. Für mich gehört deshalb der Besuch eines Weinguts unbedingt dazu. Sigalas und Argyros zählen zu meinen Favoriten. Gleichzeitig entdecke ich gerne etwas Neues, etwa einen Pét-Nat von Vassaltis: frisch, lebendig und ganz typisch für die Insel.
Santorini mag viel besucht sein. Aber wenn man sich der Insel auf die richtige Weise nähert, kann sie noch immer unvergesslich sein.

