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Ein Nachmittag in Athen: Märkte, Meze und das Leben der Stadt

Autorenbild: Murat Örnek
Murat Örnek
27. Juni
2 Min. Lesezeit

Athen entdeckt man am besten zu Fuß. Von der lebendigen Atmosphäre in Monastiraki und dem besonderen Charakter von Psyrri bis zu den Aromen der Zentralmarkthalle und der Meze-Tradition, die Griechenland und Anatolien verbindet, eröffnet schon ein einziger Nachmittag überraschende Einblicke in den Alltag der Stadt.





Es beginnt in Monastiraki, wie so viele gute Nachmittage in Athen. Auf dem Platz herrscht die selbstverständliche Lebendigkeit einer Stadt, die ihr Leben seit Jahrtausenden nach draußen trägt. Zwischen Antiquariaten und Ständen mit gebrauchten Büchern stehen byzantinische Kirchen. Irgendwo spielt ein Straßenmusiker etwas zwischen Rembetiko und Jazz. Man läuft einfach los, ohne besondere Eile.


Nur wenige Minuten weiter nördlich verändert sich die Atmosphäre. In Psyrri trägt das Viertel seine rauen Kanten mit Stolz. Street Art zieht sich über ockerfarbene Wände, Katzen versammeln sich auf den Treppen vor den Häusern und ein Fischhändler, der gerade seinen Stand abspritzt, grüßt im Vorbeigehen. Hier ist Athen weder Postkartenmotiv noch antike Ruinenstätte. Es ist einfach ein Viertel, das seinen Alltag lebt.


Nur zwei Minuten entfernt wartet mit der Varvakios-Zentralmarkthalle eine völlig andere Sinneswelt. Die überdachte Markthalle aus dem 19. Jahrhundert zeigt Athen von seiner unverfälschten Seite. Im Mittelpunkt stehen die Fischstände: glänzende Doraden und Rotbarben, Berge von Purpurschnecken und frisch geöffnete Seeigel. Der Markt riecht so, wie ein guter Markt riechen sollte: intensiv, ein wenig herausfordernd und vollkommen lebendig.


Am frühen Abend macht sich nach all dem Laufen der Hunger bemerkbar. Die Antwort darauf findet sich im Karamanlidika tou Fani in der Evripidou-Straße. Feinkostladen und Mezedopoleio zugleich, steht der Ort in der kulinarischen Tradition der griechisch-orthodoxen Gemeinschaft Kappadokiens.


Ich selbst habe fünf Jahre in dieser Region gelebt und ihre Küche seitdem besonders ins Herz geschlossen. Als ich hier hereinkomme, fühlt es sich deshalb unerwartet vertraut an. Von der Decke hängen luftgetrocknete Fleischwaren. Pastourma wird hauchdünn aufgeschnitten serviert, gereifter Kasseri beginnt auf dem Teller langsam zu schmelzen.


Dazu eine kleine Karaffe Tsipouro. Der Nachmittag geht ganz unmerklich in den Abend über. Bevor ich gehe, bitte ich den Besitzer noch um ein gemeinsames Foto. Eine kleine Geste, die sich irgendwie genau richtig anfühlt, um diesen Tag zu beenden.




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