Kappadokien zu Fuß: Von Mustafapaşa nach İbrahimpaşa abseits der bekannten Wege

Jenseits der berühmten Täler zeigt Kappadokien eine ruhigere Seite. Die Wanderung von Mustafapaşa nach İbrahimpaşa führt zu versteckten Felsenkirchen, durch die grüne Landschaft des Gomeda-Tals und verbindet zwei Dörfer, die bis heute viel von ihrer Geschichte und ihrem ursprünglichen Charakter bewahrt haben.

Wer zum Wandern nach Kappadokien kommt, plant meist einige Tage für die Täler rund um Göreme und Uçhisar ein. Dort wandert man zwischen mondähnlichen Landschaften und den berühmten Feenkaminen der Region. Mit der wachsenden Bekanntheit Kappadokiens sind diese Wege allerdings auch deutlich belebter geworden. Unterwegs begegnet man heute nicht nur anderen Wanderern, sondern immer wieder auch Reitgruppen.
Wenn Sie etwas mehr Zeit haben, würde ich Ihnen deshalb die weniger bekannte Route von Mustafapaşa nach İbrahimpaşa empfehlen. Sie führt abseits der üblichen Wege durch eine andere Seite Kappadokiens und verbindet zwei wunderschöne Dörfer, die vom Massentourismus bislang weitgehend verschont geblieben sind: Mustafapaşa, das frühere Sinasos, und İbrahimpaşa, einst als Babayan bekannt.

Mustafapaşa liegt nur etwa fünf Kilometer vom Zentrum Ürgüps entfernt und ist von fast überall in Kappadokien leicht zu erreichen. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelangten viele der überwiegend griechisch-orthodoxen Einwohner des Dorfes, die Handelsbeziehungen nach Istanbul unterhielten, durch den Kaviarhandel zu beträchtlichem Wohlstand. Ihnen verdankt Mustafapaşa einige der schönsten historischen Herrenhäuser Kappadokiens.
Bevor Sie sich auf den Weg machen, lohnt sich ein Blick auf das eindrucksvolle Portal der alten Medrese am Dorfplatz und ein Besuch der Kirche der Heiligen Konstantin und Helena.
Varianten dieser Wanderung finden sich auf vielen Wander-Apps und Websites. Die Route, die ich hier beschreibe, beginnt im Zentrum von Mustafapaşa. Von dort geht es zunächst hinauf in den oberen Teil des Dorfes und anschließend hinunter ins Gomeda-Tal. Danach führt der Weg weiter bis nach İbrahimpaşa. Insgesamt sind es rund zwölf Kilometer auf einer leichten bis mittelschweren Strecke.
Und unterwegs gibt es einiges zu entdecken. Schon kurz nachdem Sie Mustafapaşa verlassen haben, erreichen Sie die Eustathios-Kirche. Ihr Eingang ist so unscheinbar, dass man ihn beinahe übersehen könnte. Hinter der kleinen Öffnung verbirgt sich überraschend eine beeindruckend große Felsenkirche.
Im Gomeda-Tal folgt der Weg dem Üzengi-Bach durch eine ungewöhnlich grüne Landschaft. Unterwegs durchqueren Sie kleine Wassertunnel zu Fuß und kommen an riesigen Taubenschlägen vorbei, die in die Felswände gehauen wurden.
Wenn Sie das Tal verlassen und sich İbrahimpaşa nähern, öffnet sich die Landschaft wieder und die fast unwirklichen Panoramen Kappadokiens kehren zurück. Die Tavşanlı-Kirche ist ein schöner Ort für eine Mittagspause. Wer einen kurzen, aber steilen Aufstieg nicht scheut, kann auch das Innere der Kirche und ihre Wandverzierungen entdecken.
Von hier aus kommt İbrahimpaşa langsam in Sicht. Nach der Wanderung würde ich zunächst eine Teepause im Café am Dorfplatz einlegen. Anschließend lohnt sich noch ein Besuch der besonderen Dorfmoschee, die für ihre ungewöhnlichen Wandmalereien bekannt ist.
